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Der Nathan-Komplex

Gerd Buurmann

Die One-Man-Performance setzt sich mit dem schwierigen christlich-jüdischen, aber auch mit dem problematischen deutsch-israelischen Verhältnis auseinander.

Gerd Buurmann -Autor, Blogger, Schauspieler und Regisseur- gibt einen humorvollen aber auch schonungslosen Einblick in die christlich-jüdische “Verbrüderung” nach der Schoah, die auf christlicher Seite nach der “Wiedergutwerdung” der Deutschen strebt, woraus sich oftmals eine Täter-Opfer-Umkehr ergibt, wie auch die beunruhigende Popularität der “Israelkritik” und deren Doppelmoral zeigt.

Den Zugang zu diesem “Nathan-Komplex” gestattet uns Buurmann durch die drei bekanntesten jüdischen Figuren der christlich-okzidentalen Welt: Shylock aus Shakespears Der Kaufmann von Venedig, Gotthold Ephraim Lessings Nathan der Weise und der Jude Jesus bilden zusammen die Grundlage für diese kultur-historische Herangehensweise in der Performance, wobei der Jude Shylock den jüdischen Idealfiguren Jesus und Nathan diametral gegenüber steht.

Laut Buurmann liegt auf dem jüdischen Staat Israel ein “deutscher Fluch” – der “Nathan-Fluch”. Dieser psychologische Komplex verdeutlicht sich darin, dass Juden nur dann, wenn sie sich sanft, zurückhaltend und ergeben wie Lessings Nathan verhalten oder Liebe, Frieden und Versöhnung predigen wie Jesus, Verständnis und Milde erwarten können. Juden wie Shylock, die -ganz menschlich- auch negative Eigenschaften besitzen, werden -oftmals entrüstet- abgelehnt, weil sie sich nicht in das Muster der Verklärung fügen.

Buurmann geht in seinem Stück der Frage nach, warum Juden abverlangt wird, illusorische “göttliche” Charaktereigenschaften wie Nathan oder Jesus zu haben und warum sie abgelehnt werden, wenn sie menschlich sind wie Shylock, wenn sie sich zur Wehr setzen wie der jüdische Staat Israel, wenn sie anders agieren als es dem Wunschdenken infolge der Lektüre von Nathan der Weise oder dem Neuen Testament entspricht. 

Buurmanns Performance garantiert bedeutsame und eindrückliche Erkenntnisse, die zum Nach- und Umdenken anregen und ein wichtiger Bestandteil für den christlich-jüdischen und den deutsch-israelischen Dialog sind.


Weiterführende Informationen:
https://tapferimnirgendwo.com/2017/11/28/der-nathankomplex/